Werte bestimmen unser Leben – ob wir wollen oder nicht

Werte prägen unser Leben – oft verborgen im Unterbewusstsein. Erst wenn wir sie erkennen, wird unser innerer Kompass sichtbar, der uns zeigt, was uns wirklich wichtig ist und welche Richtung wir einschlagen wollen. Bewusste Werte geben Klarheit, Orientierung und die Freiheit, das eigene Leben zu gestalten.

Wenn unterbewusste Werte zum Leben erwachen

Stellen wir uns einen zehnjährigen Buben vor, in dem eine besondere musikalische Begabung angelegt ist. Wächst er in einem Umfeld auf, das für Musik kein Interesse zeigt, kann es sein, dass dieses Talent unbemerkt bleibt. Niemand erkennt es, niemand fördert es. Die Fähigkeit bleibt verborgen – das Kind kann sein Potenzial nicht zur Entfaltung bringen. Sein Potenzial existiert in seinem Unterbewusstsein, bleibt jedoch im Leben unsichtbar. Es gleicht einem Samen, der nicht in die Erde eingesetzt wird.

Anders ist es, wenn ein Impuls von außen kommt, der ihn berührt. Vielleicht ist es ein Film oder ein Lied, das zum Singen anregt. Vielleicht sind es die Eltern, Verwandte, ein Lehrer oder eine Freundin, mit denen gemeinsam musiziert wird oder die das Kind ermutigen, ein Instrument auszuprobieren. Und plötzlich entsteht Resonanz – es „erklingt eine Saite“ in dem Jungen. Eine feine Sehnsucht wird spürbar, eine Ahnung, die zuvor im Unterbewussten verborgen war, bekommt Gestalt.

Folgt das Kind diesem Gefühl und wendet sich der Musik zu, beginnt Entwicklung. Neue Begegnungen entstehen, Fähigkeiten wachsen. Aus innerer Freude entwickelt sich Lust an Leistung, getragen von intrinsischer Motivation. Ein äußerer Impuls tritt in Resonanz mit einer inneren Begabung. Diese Resonanz führt zur Handlung. Diesen Prozess beschrieb bereits Aristoteles als den „Übergang von der Möglichkeit zur Wirklichkeit“.

Eine reale Lebensgeschichte

Bleiben wir bei der Geschichte des musikalisch begabten zehnjährigen Jungen. Sie ist real. Er wuchs in einem musikalischen Umfeld auf und lernte verschiedene Instrumente zu spielen. Seine Schwester – selbst Musikerin – organisierte ein Vorsingen bei den Wiener Sängerknaben und begleitete ihn dabei. Und tatsächlich: Er wurde aufgenommen und musizierte weltweit.

Heute ist dieser Mann eine erfolgreiche Führungspersönlichkeit, der ein international tätiges Unternehmen leitet – und gleichzeitig der Kunst tief verbunden bleibt. Ehrenamtlich engagiert er sich in der Führung eines Kulturvereins, der junge Künstler:innen unterstützt und ihnen neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet.

Im Kern verbindet diese Lebensgeschichte zwei zentrale Werte: Wachstum durch Ermutigung und Entwicklung sowie Schönheit durch Kunst und Ästhetik.

Aus seinen eigenen Erfahrungen heraus interpretiert und lebt er diese Werte heute neu. Neben seinem Wirtschaftsberuf verwirklicht er diese im Rahmen seiner ehrenamtlichen Kunstförderung – dort, wo sein persönlicher Wertkompass ihn hinführt. Der Mann lebt heute dieselben Werte wie damals, jedoch in einem anderen Kontext. Früher war er Empfänger von Unterstützung; heute gibt er sie weiter.

„Werte bleiben bestehen – ihre Ausdrucksformen wandeln sich.“

Potenzial kennt kein Alter: Peter Ratzenbeck

Ein anderes Beispiel findet sich im Leben von Peter Ratzenbeck. Er entdeckte seine Begabung erst spät – mit etwa 17 Jahren, als er seine erste Gitarre erhielt. Die ersten Akkorde brachte ihm ein Freund bei; alles Weitere lernte er selbst, Schritt für Schritt, getragen von Neugier und Ausdauer. Heute zählt der österreichische Gitarrist, Komponist und „Fingerpicker“ seit Jahrzehnten zu den prägendsten Akustikgitarristen Europas. Ein Weg, der zeigt, wie unterbewusstes Potenzial durch Inspiration und Hartnäckigkeit Gestalt annimmt.

Werte: Das Fundament unserer Identität

Werte sind mehr als Wünsche – sie sind das Wünschenswerte, das uns innerlich leitet. Unsere Entscheidungen entspringen diesen tiefen Überzeugungen. Bleiben sie in unserem Unterbewusstsein, steuern sie uns aus dem Verborgenen. Wir handeln dann oft auf eine Weise, die uns selbst fremd erscheint oder unser Umfeld überrascht.

Durch Reflexion könne wir diese Werte ins Bewusstsein holen, woraus Erkenntnis entsteht. So wandeln sie sich von unterbewussten Treibern zu einem sichtbaren inneren Kompass. Erst diese Bewusstwerdung ermöglicht es uns, das Leben nicht nur zu bewältigen, sondern selbstbestimmt, der eigenen Natur entsprechend, zu gestalten. Bewusstsein schafft Freiheit.

Wie wir unsere eigenen Werte erkennen

Unsere Werte sind bereits in uns angelegt – oft tief im Unterbewusstsein verborgen. Sie werden sichtbar in den Momenten, die uns prägen: schöne Erlebnisse, Vorbilder, schmerzhafte Erfahrungen, Konflikte oder innere Kämpfe. Wenn wir uns fragen:

  • Was war mir in diesen Momenten wirklich wichtig?
  • Wofür habe ich mich eingesetzt – selbst gegen Widerstände?
  • Was hat mich verletzt oder erfüllt oder tief berührt?

… dann nähern wir uns den Werten, die uns innerlich leiten.

Fragen zur eigenen Wertereflexion:

Welcher Wert könnte dahinterstehen?
Welche Situation hat Sie zuletzt besonders berührt oder herausgefordert?